Suchmaschinenwerbung basiert seit Jahrzehnten auf Keywords. Werbung in KI-Assistenten eröffnet ein anderes Modell: Nicht nur ein Suchbegriff, sondern die konkrete Absicht eines Nutzers kann zum Kontext einer Produktempfehlung werden.
Die klassische Google-Suche hat einen milliardenschweren Werbemarkt geschaffen. Ein Nutzer sucht beispielsweise nach „Landingpage erstellen“ und bekommt passende Anzeigen präsentiert. Bei ChatGPT und anderen KI-Assistenten entsteht jedoch eine wesentlich umfangreichere Informationsebene.
Ein Nutzer könnte schreiben: „Ich möchte mein E-Book verkaufen, habe aber keine Landingpage und kenne mich mit Webdesign nicht aus.“ Das ist mehr als ein Keyword. Es beschreibt ein Problem, ein Ziel und einen konkreten Bedarf.
Von Keywords zu Intent
Damit könnte sich auch das Grundprinzip digitaler Werbung verändern. Klassische Suchmaschinenwerbung arbeitet überwiegend mit Suchbegriffen und daraus abgeleiteten Kaufabsichten. Konversationelle KI kann dagegen den Kontext einer Anfrage wesentlich genauer verstehen.
Aus „Ich möchte für eine Prüfung lernen und brauche einen Lernplan“ lässt sich ein anderer Bedarf ableiten als aus „Erkläre mir Quantencomputing“. Beide Nutzer verwenden ChatGPT – aber ihre Absichten unterscheiden sich vollständig. Für Werbetreibende entsteht dadurch ein neues Konzept: Intent statt ausschließlich Keyword.
Das richtige Produkt im richtigen KI-Kontext
Besonders interessant wird dieses Modell für digitale Produkte. Statt einem großen allgemeinen Produkt könnten Anbieter zahlreiche spezialisierte Lösungen entwickeln. Ein Nutzer möchte recherchieren – dazu passt ein Research-Produkt. Ein anderer möchte eine Website erstellen – dazu passt ein Site-Workflow. Ein dritter benötigt Unterstützung beim Lernen – dazu passt ein spezialisierter Lernassistent.
Das Produktportfolio kann damit unmittelbar an unterschiedliche Nutzerabsichten angepasst werden. Im klassischen E-Commerce navigiert der Kunde durch einen Shop und sucht das passende Produkt. In einem KI-getriebenen Werbemodell könnte sich diese Logik teilweise umkehren: Der Kontext findet das passende Produkt.
Conversion-Tracking bleibt entscheidend
Damit daraus ein belastbarer Marketingkanal werden kann, reicht die Anzeige allein allerdings nicht aus. Werbetreibende müssen nachvollziehen können, was nach einem Anzeigenkontakt passiert. Dazu gehören beispielsweise Produktaufrufe, Klicks auf Kaufbuttons, Checkout-Starts und abgeschlossene Käufe.
Erst mit einer solchen Messkette lässt sich beurteilen, welche Intents tatsächlich wirtschaftlich funktionieren. Für Performance-Marketer ist deshalb nicht nur die Werbeoberfläche interessant. Ebenso wichtig sind Pixel, Events, Checkout-Zuordnung und Conversion-Messung.
Ein möglicher neuer Wettbewerb um Nutzerabsichten
Sollte sich kontextuelle Werbung innerhalb von KI-Assistenten breit etablieren, könnte ein neuer Wettbewerb entstehen. Unternehmen optimieren dann nicht mehr ausschließlich für Keywords wie „SEO Tool“, „Fitness Coach“ oder „Website erstellen“. Sie entwickeln Angebote für konkrete Situationen und Probleme, die Menschen gegenüber einer KI formulieren.
Das verändert möglicherweise sogar die Produktentwicklung. Unternehmen könnten zuerst analysieren, welche wiederkehrenden Absichten Nutzer äußern – und anschließend genau dafür Produkte entwickeln. Damit würde aus klassischem Search Marketing zunehmend Intent Marketing.
Noch befindet sich dieser Werbemarkt im Aufbau und Funktionen, Verfügbarkeit und Zugang können sich verändern. Deshalb klar zwischen bereits verfügbaren Funktionen, Tests und zukünftigen Möglichkeiten unterscheiden. Die strategische Richtung ist dennoch bemerkenswert: Nach SEO und Search Ads könnte die nächste große Disziplin darin bestehen, Produkte dort sichtbar zu machen, wo Menschen einer KI bereits erklärt haben, welches Problem sie lösen möchten.
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